vergnüglicher Leserbrief zum Bericht römische Glocke

20. April 2021

Dieser Brief von Johann Hermann Schmid erreichte Museumspfleger Schädler:


Ihr schöner Viehglockenbericht in der Allgäuer Rundschau hat mich zu einem Leserbrief in Richtung Kempten angeregt. Doch zuvörderst: Mein Name wird ihnen nicht sagen; ausgenommen, Sie haben Mundartiges von mir gelesen. Mein Leserbrief wurde in der Redaktion jedoch abschlägig beschieden. Vermutlich falsche Wahl meinerseits:
Entweder schlechte Standortwahl = Unterallgäu oder diffuse Wortwahl: Mischpoke samt Schnur- und Bandkeramiker. Nun denn; ich möchte Ihnen den Beitrag über Glocken, Römer und Wilde Männle auch ohne Approbation durch die Allgäu-Times gerne zusenden. Vielleicht als lustige neue Facette unserer ruhmreichen Geschichte.


Text: „Die Urglocke vom Nebelhorn“. Kein Ganghofer-Buchtitel, sondern hier klingelt es glockenhell bei einem Allgäuer Bauerbuben mit „Hütebubendiplom“. (Dia bescht Kuah kriegt a grossana Glocke ond dia anderea Huttla kriegat halt a Schättr). Auf dem Pegasus reitend, könnte die Glockengeschichte vielleicht auch so erzählt werden:


Vor 2000 Jahren unternahmen feine Damen der römischen Besatzungsmacht aus der Garnison Campodunum einen, von Ehrenlegionären beschützten Ausflug in die raue Allgäuer Bergwelt. Um die aufgeregt schnatternden Römerinnen aus Ostia und Roma zusammen zu halten, ging ein Decurio mit einem hellklingenden Glöckchen voran. Und dann kam der Schock: Wilde, vollbärtige Gestalten, offenbar eine Mischpoke aus Kelten, Ladinern, Jllyriern und noch vorhandenen Resten aus Schnur- und Bandkeramikerzeiten verscheuchten die vornehmen Herrschaften vom althergebrachten Auerochsen- und Birkhahnjagdgebiet. Urige Schreie wie: „Mir land glei da Hägl los“, oder: „Mir keiat ui glei en nan Hagamoisahaufa“ gellten den Römern so in den Ohren, dass sie ohne Glocke panikartig zurück nach Campodunum rannten.


5oo Jahre später. Die ursprünglich vom Ostseeraum stammenden „Sweben“ (von Mare Suevicum) hatten den oberrätischen Limes zu Kleinholz verarbeitet und kamen als völkerwandernde Gruppen auch in das Allgäu. Sie ließen die mitgebrachten braunen Kühe dort weiden, erfanden den Urweisslacker, heirateten keltische „Fehla“, entdeckten die römische Glocke und begründeten mit ihr den berühmten Allgäuer Alpabtrieb.


Nun Herr Schädler – Ein bißchen Schmunzeln in Coronazeiten kann vielleicht nicht schaden. Sollten Sie für irgendwelche Aktivitäten dieses „höchstwissenschaftliche Elaborat“ gebrauchen können – Es sei Ihnen gestattet. Und hiermit schöne Gruße aus der Vatikanstadt Ottobeuren.

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