Heimatmuseum Oberstdorf

Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben im Bergdorf Oberstdorf

  

 
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Holz - ein heimischer Baustoff

Die Sonderausstellung "Holz - ein heimischer Baustoff - das Zimmererhandwerk" griff 2008 das Thema der ersten Sonderausstellung wieder auf.

„Im Jahr 1923, da hatten die Zimmererleute 1850 Mark Stundenlohn, die Zeit sehr schlecht, wenig Bier - aber viel Durst“ - diesen kuriosen Text auf einem Zimmererzettel finden Sie in der aktuellen Ausstellung des Heimatmuseums.

Früher wurden in unserem Ort fast alle alten Häuser aus Holz errichtet. Dies ist durch den Holzreichtum unserer Bergwälder leicht zu erklären. Immer wenn genügend Holz zur Verfügung stand und die Häuser eine gewisse Größe nicht überschritten, baute man lieber damit und nicht mit Stein und Lehm. Damals war aber wohl jeder Hausbesitzer auch sein eigener Zimmerer. Er war also „Holzarbeiter“, denn das Wort „Zimmer“ heißt ursprünglich „Holz“. Das englische „timber“ hat den gleichen etymologischen Hintergrund. Anders als in den Städten, wo sich die Berufe schon im Mittelalter spezialisierten, gab es bei uns bis ins 19. Jahrhundert kaum einen eigenständigen Zimmererberuf. 1849 zählte der Ortsvorsteher Rietzler in einem Familienverzeichnis nur einen einzigen Zimmerermeister und einen Zimmergesellen auf.  Das Handwerk wurde, wie es scheint, als Nebenerwerb zum bäuerlichen Hauptberuf, der als Existenzgrundlage diente, ausgeübt. Dass jetzt schon zum zweiten Mal nach 1984 dem Beruf eine eigene Sonderausstellung gewidmet wird, weist auf seine zentrale Bedeutung für unser Bergdorf hin.

Bauholz für Bauernhäuser und andere ländliche und sakrale Gebäude musste ursprünglich von der Hand mit der Axt bearbeitet werden. Im 1. Fenster ist ein solcher „Haubock“ und auch weiteres Handwerkszeug (z.B. Äxte, Schlagschnur) zu sehen, mit denen Balken „gehauen“ wurden. Die Breitaxt, mit der die Balken geglättet wurden, ist ja zu unserem Ausstellungsemblem geworden. Ein große Verbesserung war es, als die Balken mit der Schrägsäge oder auch Schtoassbudel genannte, von zwei Sägern - der eine oben, der andere unten - geschnitten werden konnten (Fenster 2). Erst die Gattersägen, die bei uns natürlich mit Wasser betrieben wurden, brachten eine entscheidende Arbeitserleichterung, wie wir sie uns heute kaum noch vorstellen können. In den Fenstern 3 und 4 sind Modelle der Gerstruber Säge zu sehen, die vom Heiligen Josef, dem Heiligen des Zimmererhandwerks, beschützt werden.

Mit diesen Balken, gehauen oder gesägt, konnte der Zimmer  nun seine Arbeit verrichten. Beispiele dieser Handwerkskunst sind als Modelle in den folgenden Fenstern zu sehen. Unter anderem sind dies: Brücke zum Unteren Renksteg, Dachstuhl der Kapelle in Sonthofen Rieden, Dachstühle von Türmen, altes Bauernhaus aus der Schrofengasse, Holzkonstruktionen für landwirtschaftliche Teile, Holzbrücke, Holztreppen, Halle. Eine Rarität bildet die von Zimmerern gefertigte Einbaumtruhe aus dem Mittelalter, die im Fenster 6 vor einer uralten Holztüre steht.  In allen Fenstern befinden sich außerdem natürlich altes und neueres Zimmererhandwerkszeug und auch viele Bilder, welche die Ausstellungsstücke unter weiteren Aspekten beleuchten oder erklären. Fotografien von modernen Holzgebäuden in unserem Raum hängen im letzten Fenster neben einem urigen, mit Werkzeug ausgestatteten Rucksack. 

Eine Besonderheit sind die Reliefe aus Zirbelholz, auf denen alte Oberstdorfer Bauernhäuser eingeschnitzt sind. Diese Kunstwerke, gefertigt von Otto Simbeck, werden in dieser Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Sonderaustellung wird das gesamte Jahr 2008 zu sehen sein und ist nicht nur für handwerklich Interessierte einen Besuch wert.

Text erstellt von Alex Rößle nach Angaben der Museumspfleger Fritz Schlachter und Karl Schädler

Literatur:
Alt Oberstdorf in Bildern, S. 259
Altes Handwerk in Vorarlberg, Benvenuti Oliver, S. 16
Das Bauernhaus, Dr. Dietrich Schäfer, S. 480 und Abb. Bayern13

Haus Käufler

Haubock

Gerstruber Säge

Relief von Otto Simbeck

Rucksack

 
Schtoassbudel
Der hl. Josef

Wir danken den Leihgebern:

Berufsschule Immenstadt, Herrn Gitterle
Otto Simbeck, Oberstdorf
Michael Ohmayer, Oberstdorf
Siegbert Lochbihler, Gunzesried 
Anton Haug, Kornau
Anton Müller Fischen Berg
Zimmerei Schraudolf, Reute
Wofgang Schwarz, Lindau 

Kapelle in Sonthofen Rieden

 
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