Offener Brief des Heimatmuseumsvereines zu aktuellen Bauprojekten

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s'Nuischte vum Museum

für Besucher Dienstag, 11. Dezember 2018
 
Offener Brief des Heimatmuseumsvereines zu aktuellen Bauprojekten
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
vor wenigen Wochen gedachten wir des 150. Jahrestages des großen Brandes von Oberstdorf, bei dem 146 Anwesen Alt-Oberstdorfs in Schutt und Asche versanken. Das Gesicht des abgebrannten Zentrums wandelte sich mit dem Wiederaufbau grundlegend. In einem neuen Baustil entstand ein vergleichsweise einheitliches Ortszentrum, das sich früher durch eine harmonische Ästhetik auszeichnete. Westlich und südlich des Brandgebietes hat sich jedoch eine große Anzahl von ursprünglichen Bauernhäusern erhalten. Hier finden sich unsere malerischen Fotomotive, ganze Ensembles (z.B. ganze Straßenzüge im unteren und oberen Markt) oder einzelne Objekte (u.a. Trettachhäusle, Schnapshäusle, Heimatmuseum).
Seit den 1960er-Jahren hat ein dem Nachkriegswohlstand geschuldeter Bauboom eingesetzt, der die letzten Jahrzehnte gravierender in die Alt-Oberstdorfer Bausubstanz eingreift, als dies der Brand damals vermochte. Dieser Bauboom unterliegt leider keiner einheitlichen Stilrichtung, sondern ist ein Sammelsurium verschiedenster bunt zusammengewürfelter Baustile. Waren es anfangs noch Einheimische, die durch einen Neubau des Anwesens ihre Existenz sicherten, sind es mittlerweile vielfach Bauträger, die aus rein kommerziellen Gründen agieren. Auch wenn zwischenzeitlich eine Anzahl historischer Häuser unter Denkmalschutz stehen, fallen laufend wieder Gebäude aus dem immer rarer werdenden Altbestand dem Abbruchbagger zum Opfer. Bei diesen Häusern handelt es sich oft um versteckte Kleinodien, die aufgrund einer äußerlich veränderten Fassade auf den ersten Blick als solche nicht erkennbar sind. Nicht nur die Häuser verschwinden, mit ihnen auch die charakteristischen „Buinden“ mit dem alten Obstbaumbestand. Diese werden im Zuge eines Neubaus zu Gunsten eines Einheitsrasens mit Thuja-Hecken nebst Tiefgarageneinfahrt ersetzt. So verschwindet nach und nach die baulich kulturelle Identität Oberstdorfs. Wir brauchen in Oberstdorf keinen Jodel-Stil und sonstigen Einheitsbrei, sondern sollten vielmehr auf das Bewahren und Erhalten setzen und die oft über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen erhalten.
Anlass dieses offenen Briefes sind einige Um- bzw. Neubauten. Unserer Satzung verpflichtet möchten wir Sie aber bitten, dabei verstärkt auf die Aspekte des Denkmal- und Ensembleschutzes zu achten.
Dass es auch anders gehen kann, zeigt eine Reihe von Beispielen aus jüngster Vergangenheit, bei denen junge einheimische Familien solche Häuser liebevoll restaurierten und somit der Nachwelt erhielten.
Wir appellieren an die Entscheidungsträger der Gemeinde sich engagierter für den Erhalt unserer Baukultur einzusetzen.
Bitte helfen Sie mit, dass wir gemeinsam die verbliebenen Reste Alt-Oberstdorfs als Ursprung unserer Identität für uns und unsere Kinder für die Zukunft bewahren. Getreu nach dem Motto des Heimatmuseums Oberstdorf:
„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart begreifen“

Mit freundlichen Grüßen
Vorstandschaft des Heimatmuseumsvereines
 

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