Heimatmuseum Oberstdorf

Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben im Bergdorf Oberstdorf

  

 
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Unser Museumsarchiv

Die Webstube im Heimatmuseum

Um auf unser Museum aufmerksam zu machen, verfasse ich hin und wieder Artikel für das "Oberstdorfer Magazin". Dieser hier erschien im August 2015.

In Oberstdorf war bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaum ein Bauernhaus zu finden, das nicht eine Webstube oder einen Webkeller aufweisen konnte. Dort wurde auf den großen hölzernen Webstühlen Flachsgarn zu Leintüchern verwoben, das dann verkauft werden konnte. Im armen Oberstdorf wurde ehemals der gesamte Talkessel genutzt, um winterharte Getreidesorten oder Kartoffeln anzubauen. Der geringe Ertrag war für den Eigenbedarf bestimmt und reichte gerade so zum Überleben. Deshalb nutzte man weniger ertragreiche Böden zum Anbau von Flachs, er ist auch unter dem Namen Lein bekannt, den man dann selbst verarbeiten und verkaufen konnte. Dies brachte ein wenig Geld in die Haushaltskasse, um die Dinge zu erstehen, die man nicht selbst herstellen konnte.
Diese Wirtschaftsmethode war damals im gesamten Allgäu verbreitet und man sprach damals aufgrund der Blütenfarbe des Flachses vom „blauen Allgäu“. Natürlich bedurfte es eines erheblichen Arbeitsaufwands, um aus der Flachspflanze im Sommer und Herbst das Garn zugewinnen. Im Winter schließlich wurde die weiße Leinwand produziert. Diese Arbeit verrichteten die Männer an den Webstühlen in feuchten und unbeheizten Räumen, damit das Rohmaterial nicht brüchig wurde. Dass dies der Gesundheit der Weber nicht zuträglich war, ist schnell zu verstehen. Besonders Atemwegserkrankungen waren damals deswegen überaus häufig.
Über Jahrhunderte war die Leinenweberei ein zweites Standbein neben der Viehzucht. Für die auf den Web- oder Wirkstühlen hergestellten Leinenstücke musste anschließend in Immenstadt auf der "Leinwandschau" ein Käufer gefunden werden. Bescheiden waren die Einkünfte der „Nebenerwerbs-Leinenweber“, aber sie halfen, die Familien vor der größten Not zu schützen. Im Jahre 1800 waren in Immenstadt noch 36.000 "Stuck" (Ballen mit etwa 28 bis 33 Metern Länge) Leinen angeboten und verkauft worden; 1830 waren es derer gerade noch 236. Die Einfuhr billiger Baumwolle und schließlich die Mechanisierung bei der Herstellung ließen die Weber nicht nur hier im Allgäu brotlos werden. Not und Elend waren die Folge und viele Familien wanderten in ihrer Verzweiflung nach Amerika aus. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts verhalfen die Umstellung auf die Milchwirtschaft und der langsam einsetzende Fremdenverkehr zu einem bescheidenen Wirtschaftsaufschwung in unserem Ort. Es war der Wandel vom "Blauen Allgäu" zum "Grünen Allgäu".
Wie schon Stube, Gaden und Küche sind auch diesem Raum Fußboden, Wände und Decke im Originalzustand erhalten. Er wurde wahrscheinlich im Jahr 1848 an die Küche angebaut. In den hölzernen Webstuhl ist eine "Bändlblache" (Fleckenteppich) eingespannt, daneben sind Webgeschirre für Bänder und Traggurte zu sehen. Garnhaspel, Garnspulen und Weberutensilien erregen weiter unser Interesse.
 

s'Nuischte

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