Heimatmuseum Oberstdorf

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Unser Museumsarchiv

Vitus Reisacher

In der Reihe "Gemälde aus dem Heimatmuseum" im "Oberstdorfer" beschäftigte ich mich mit den Bildern des Künstlers Vitus Reisacher.

Der Künstler Vitus Reisacher und seine Oberstdorfer Porträts
Vor einigen Wochen machte mich unser Ehrenmitglied Eugen Thomma auf drei Porträts aufmerksam, die sich in unserer Museumsausstellung befinden (Raum 16 und 17). Alle drei wurden vom gleichen Künstler gefertigt, Vitus Reisacher.
Eugen hatte herausgefunden, dass diesem Künstler auf der Homepage des Museums in Wolfertschwenden eine eigene Seite gewidmet wurde. Diese Anregung nahm ich dankbar auf, um mich ein wenig mehr mit dem Künstler und den Personen auf den Bildern zu beschäftigen:
Vitus Reisacher (1851-1913) wurde in Wolfertschwenden geboren und verbrachte dort seine Schulzeit. Nachdem er als junger Mann eine Malerlehre durchlief, eröffnete er kurz nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 in Wemding ein Fotoatelier. Zu jener Zeit, war er damit sicher ein Pionier dieses noch jungen Geschäftsfeldes.
Er begann jedoch bald darauf Ölporträts nach seinen Fotos zu malen, denn Schwarzweiß-Fotos waren damals noch sehr unscharf und Farbfotos wurden erst um die Jahrhundertwende erfunden. Ich vermute, dass seiner Kundschaft, die sicher in der damals zunehmend selbstbewussteren und wohlhabenderen Mittelschicht zu suchen war, deshalb ein gemaltes und dazu noch farbiges Ölporträt für ihre Selbstdarstellung mehr zusagte.
Im Jahr 1880 zog er schließlich mit seiner jungen Familie nach München, wo er zu einem erfolgreichen und gesuchten Porträtisten avancierte.
1896 porträtierte er nun ein Oberstdorfer Ehepaar, sowie einen weiteren Oberstdor-fer. Alle drei passten damals wunderbar in seine Klientel, denn sie gehörten der an-gesehenen und reicheren Bevölkerungsgruppe in Oberstdorf an. Sie nutzten ihren Einfluss, um nicht nur sich und ihre Familien, sondern auch den gesamten Ort voranzubringen.
Der bekanntere unter ihnen war Josef Anton Vogler (1839-1895). Als Pionier des Tourismus in Oberstdorf gründete er 1873 den Verschönerungsverein. Unter seiner Leitung und späterem Einfluss wurden die ersten wichtigen Eckpfeiler des damals noch jungen Wirtschaftszweiges gesetzt: u.a. wurden Wanderwege durch den Fal-tenbach- und den Hölltobel geschaffen, sowie das Moorbad und das Gesellschaftshaus (Vorläufer des Oberstdorf Hauses) errichtet.
Dass 1888 die Eisenbahn bis nach Oberstdorf fuhr, ist auch zu einem Großteil sei-nem Verhandlungsgeschick und seiner Hartnäckigkeit zu verdanken. Sein eigenes Porträt konnte er aber nicht mehr bewundern, denn schon im Jahr vor seiner Fertig-stellung verstarb er leider plötzlich und unerwartet.
Die Frau an seiner Seite war Amalie Vogler (1856-1926). Die gebürtige Sonthofenerin mit Geburtsnamen Hatt war seine zweite Frau. Er heiratete sie 1879, nachdem seine erste Frau Josefa (1851-1879) schon mit 28 Jahren verstorben war. Josefa war die ältere Schwester Amalies. Als Josef Anton Vogler 1895 starb, über-nahm seine Frau das Regiment über den Gemischtwarenladen am Marktplatz 7, bevor sie ihn an eine ihrer beiden Töchter übergeben konnte.
Das dritte Porträt stellt den Oberstdorfer Ludwig Vogler (1856-1902) dar. Er war ein Mitstreiter Josef Anton Voglers und folgte ihm als Vorsitzender des Verschönerungsvereins. Von 1888 bis zu seinem Tode war er Bürgermeister unseres Ortes. Unter seiner Leitung wurde u.a. der Freibergsee vom Verschönerungsverein gekauft und die Badeanstalt und der Kahnverleih eingerichtet.
In seinem Besitz befand sich „Donelars Teil“, ein landwirtschaftliches Gut an der Rubinger Oy. Er bestimmte in seinem Nachlass, dass die Einnahmen daraus an eine Stiftung zugunsten des gemeindlichen Kranken-, Armen- und Pfründerhauses gehen sollte, welche die Versorgung der Bewohner mit Milch sicherstellen sollten.
Diese drei Bilder können Sie im Heimatmuseum Oberstdorf im Künstler- und Grün-derraum (Nr.16/17) bewundern.
 

s'Nuischte

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