Heimatmuseum Oberstdorf

Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben im Bergdorf Oberstdorf

  

 
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Unser Museumsarchiv

Texttafel am Prinzenkreuz

Übergabe der Tafel

Im Rahmen "Gegenstände aus dem Heimatmuseum erzählen" erschien im "Oberstdorf Magazin" dieser Artikel zur Texttafel am Prinzenkreuz.

Im Raum 22, dem Jagdraum im Obergeschoss, befindet sich eine größere Vitrine, die dem Prinzregenten Luitpold gewidmete ist. In dieser liegt eine größere und trotzdem unscheinbare Bronzeplatte mit der Inschrift: „Zur Erinnerung an die glückliche Errettung des Prinzen Luitpold und seiner Jagdgäste vor einem Bergsturz im Jahre 1868“.
Bevor wir uns der Geschichte der Bronzeplatte zuwenden, wollen wir zuerst einmal den Prinzen Luitpold vorstellen. Für Oberstdorfer ist das kein unbekannter Name, denn gleich mehrmals finden wir Erinnerungen an diesen Prominenten. In der Ludwigstraße steht ein großes Standbild, das ihm zu Ehren errichtet wurde. Gleich zwei Straßen (Prinzenstraße, Luitpoldstraße) und ein Platz (Prinzregentenplatz) sind nach ihm benannt. Sein Jagdhaus steht heute noch in der Ludwigstraße und beherbergt jetzt eine Gastwirtschaft. Prinz Luitpold war der dritte Sohn des bayerischen Königs Ludwig I und wurde am 12.3.1821 geboren. Er übernahm am 10. Juni 1886 die Regentschaft für seinen Neffen, den Märchenkönig Ludwig II, als dieser wegen seiner Verschwendungssucht entmündigt wurde. Doch schon drei Tage später ertrank Ludwig II unter mysteriösen Umständen im Starnberger See. Da sich sein legitimer Nachfolger und Bruder Otto schon in einer psychiatrischen Klinik befand, führte Luitpold auch für ihn die Regentschaft. Offiziell hieß sein Titel „Verweser des Königreiches Bayern“- allgemein nannte man ihn jetzt „Prinzregent“. Seine Regierungszeit, die zum eigentlich „goldenen Zeitalter“ Bayerns wurde, endete gleichzeitig mit seinem Tode am 12.12.1912.
Luitpold besaß in Oberstdorf ein großes Jagdrevier und war deshalb des Öfteren in unseren Bergen unterwegs, so auch im Jahre 1868. Aber lassen wir den Chronisten Franz Alois Schratt zu Wort kommen:
„Wo dem Himmelhorn gegenüber der „Rauhe Hals" als steile Schlucht mit den kühnen Höfatsgipfeln in das Oytal herab sich zieht, befand sich der bayerische Prinz Luitpold im Jahre 1868 auf der Gämsjagd, wozu auch der Förster Schwarzkopf von Oberstdorf und eine Menge Jäger und Treiber ebenfalls dort anwesend waren. Ob die vorherige Witterung oder der Fußtritt der Gämsen zur plötzlichen Überraschung die Loslösung von Felsmassen veranlassten, konnte nicht näher ermittelt werden. Als nun eine Menge Felstrümmer und Steine talwärts rollten, war der Standpunkt des kgl. Prinzen Luitpold in so bedenklicher Gefährdung, dass der Förster sich veranlasst sah, den Prinzen in besonderen Schutz zu nehmen, indessen zum Glück wurde niemand von den Steinen getroffen, mit Ausnahme eines Treibers, welcher verwundet wurde, aber bald wieder hergestellt werden konnte.
Die erschrockene Jagdgesellschaft entrann knapp dem Verderben, welches die furchtbaren Geschoße der Steine zu bringen drohten. Durch die gütliche Unglücksabwendung wollte aber der Prinz zu dauerndem Andenken sich dankbar zeigen durch Errichtung eines Kreuzes auf der Gutenalp, welches im Jahre 1875 den 3. Oktober auf einem abgestürzten Felsblock von 1868 gesetzt wurde mit folgender Inschrift: ,Zur Erinnerung an die glückliche Errettung des Prinzen Luitpold und seiner Jagdgäste vor einem Bergsturz im Jahre 1868'
Seitdem wird dieses Kreuz, welches von Pfarrer Küberle 1875 benediziert wurde, das Prinzen-Kreuz genannt und erhielt dadurch besondere Bedeutung, indem dieser Kgl. Prinz berufen wurde, als prinzregentlicher Landesvater vom J. 1886 - 1912 die Regierung der 7 Bayernländer zu führen."
Soweit der Chronist in der damals üblichen „Unterthanensprache". Der letzte Absatz wurde dem vorigen Text erst nach dem Tode des Regenten im Jahre 1912 hinzugefügt.
Der Zahn der Zeit nagte in Form von Rost auch am Prinzenkreuz. Vermutlich in einem Wintersturm vor rund 30 Jahren fiel das Kreuz samt Texttafel zu Boden. Das Kreuz wurde gefunden die Texttafel - war verschwunden. Der Wortlaut des Textes war noch bekannt und der damalige Jagdherr des Oytal-Revieres ließ das renovierte Prinzenkreuz mit einer neuen Tafel aufstellen. Im September 2005 erhielten wir im Museum den Anruf einer Dame aus Kreuth am Tegernsee. Sie hatte im Sauerland eine Gusseisenplatte mit dem oben angerührten Text entdeckt und dem Museum zurückgegeben*. Nach einer langjährigen Odyssee erweitert die Gusseisen-Platte nun die Jagdabteilung unseres Museums. Sie hat neben anderen Exponaten aus dem Umkreis des Regenten einen Ehrenplatz in der Vitrine im Heimatmuseum Oberstdorf eingenommen.
* Anmerkung: Auf unser Museum kam sie, als sie im Internet recherchierte und dabei auf unserer Homepage auf die Verbindung des Prinzregenten zu Oberstdorf stieß. Mit einem Email nahm sie damals erstmals Kontakt zu uns auf! ... mehr

s'Nuischte

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