Heimatmuseum Oberstdorf

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Unser Museumsarchiv

Der Stuhl des Prinzregenten

In der Reihe "Gegenstände aus dem Heimatmuseum erzählen" wurde im "Oberstdorf Magazin" 2012 dieser Artikel veröffentlich.

Im Raum 22, dem Jagdraum im Obergeschoss, finden Sie diesen wunderschön verzierten Stuhl aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich stand er im königlichen Jagdhaus in der Ludwigstraße und diente dort dem Prinzregenten Luitpold als Sitzgelegenheit. Für Oberstdorfer ist das kein unbekannter Name, denn gleich mehrmals finden wir Erinnerungen an diesen Prominenten. In der Ludwigstraße steht ein großes Standbild, das ihm zu Ehren errichtet wurde. Gleich zwei Straßen (Prinzenstraße, Luitpoldstraße) und ein Platz (Prinzregentenplatz) sind nach ihm benannt. Wer war nun dieser Mann?
Prinz Luitpold war der dritte Sohn des bayerischen Königs Ludwig I und wurde am 12.3.1821 geboren. Er übernahm am 10. Juni 1886 die Regentschaft für seinen Neffen, den Märchenkönig Ludwig II, als dieser wegen seiner Verschwendungssucht entmündigt wurde. Doch schon drei Tage später ertrank Ludwig II unter mysteriösen Umständen im Starnberger See. Da sich sein legitimer Nachfolger und Bruder Otto schon in einer psychiatrischen Klinik befand, führte Luitpold auch für ihn die Regentschaft. Offiziell hieß sein Titel „Verweser des Königreiches Bayern“- allgemein nannte man ihn jetzt „Prinzregent“. Seine Regierungszeit, die zum eigentlich „goldenen Zeitalter“ Bayerns wurde, endete gleichzeitig mit seinem Tode am 12.12.1912.
Luitpold liebte schon als Junge die Natur und die Berge und begann früh er mit seinem leidenschaftlichen Hobby, der Jagd. Diese Begeisterung brachte ihn auch nach Oberstdorf, wo er 1851 die Gemeindejagd pachtete und sie zu seiner offiziellen „Hofjagd“ machte. Wenn er im Ort weilte, wohnte er im 1856 erbauten "Königlichen Jagdhaus“. Somit war er wohl einer der ersten Zweitwohnungsbesitzer Oberstdorfs. Heute befindet sich dort in den historischen Räumen die gleichnamige Gaststätte der Familie Bolkart-Fetz.
Aber auch sozial engagierte sich der Prinz. Als in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1865 halb Oberstdorf dem Brand zum Opfer fiel, befand sich der Prinzregent gerade im Warmatsgund zur Hahnenbalz. Spontan stellte er sein Jagdhaus Obdachlosen zur Verfügung und gab 1300 Gulden aus seiner Privatschatulle. Für die Kinder im Ort war sein Geburtstag am 12. März immer ein ganz besonderes Fest, denn er spendierte nicht nur einen schulfreien Tag, sondern auch jedem Kind eine Semmel und eine Wurst und - man höre - jedem Kind ab der 3. Klasse einen Schoppen Bier!
Für Oberstdorf als aufstrebender Kurort waren seine regelmäßigen Besuche natürlich von herausragender Bedeutung. Da, wo der Prinzregent Urlaub machte, dort wollten sich auch andere sehen lassen. So bauten sich u.a. die Fürsten Fugger und der Fabrikant Probst Sommerhäuser auf Oberstdorfer Flur. Mit ihnen kamen viele weitere Sommerfrischler in unser damals so abgelegenes Tal.
Nach dem Tode des Prinzregenten blieb das Jagdhaus im Besitz der Familie. Seine Enkelin, Wiltrud Maria Alix, Königliche Prinzessin von Bayern, verheiratete Gräfin von Urach lebte seit 1940 zusammen mit ihrer Zofe „Fräulein Monika“ im Haus ihres Großvaters. Als die „Hoheit“, wie sie im Ort nur genannt wurde, 1975 verstarb, kam der Stuhl aus ihrem Nachlass ins Museum. Nur eine Bedingung war daran verknüpft: Immer wenn der Bischof von Augsburg zur Firmung unsere Pfarrkirche besucht, muss der Stuhl dorthin befördert werden, um ihm als Sitzplatz zu gereichen. (Alex Rößle)
 

s'Nuischte

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