Heimatmuseum Oberstdorf

Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben im Bergdorf Oberstdorf

  

 
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Unser Museumsarchiv

Die Küche

Im Mai 2015erschien folgender Artikel im "Oberstdorf Magazin":

Ein besonders uriger Raum im Heimatmuseum ist die Küche mit dem offenen Kamin. Kaum zu glauben, dass darin über bald 200 Jahre die jeweilige Hausfrau gekocht und gewerkelt hat. Im Verhältnis zum ursprünglichen Haus, das 1620 errichtet wurde, ist die Küche jedoch relativ neu. Vorher befand sich diese noch im Flur des Hauses, von dem Türen nach links zur Stube und nach hinten zum Schopf und Stall führten. Wenn man damals zu der nach Süden ausgerichteten Eingangstür unter dem First eintrat, war man schon in der sogenannten Flurküche. Dort wurde auf offenem Feuer gekocht. Der Rauch zog einfach durch das Treppenhaus nach oben unters Dach. Einen Kamin gab es noch nicht.
Sicher war dieser Arbeitsplatz für die Hausfrauen schon immer unerträglich, weshalb schon früh der Wunsch nach einer „eigenen“ Küche im Raume stand. Als jedoch Ende des 17. Jahrhunderts die Brandversicherung eingeführt wurde, gab es auch einen zwingenden rechtlichen Grund für den Küchenanbau: Feuerstätten mussten künftig einen gemauerten Kamin vorweisen. So wurde um das Jahre 1800 schließlich das Haus erweitert und die Bäuerin erhielt endlich eine eigene Küche.
Wie auf dem Bild deutlich zu erkennen ist, sind zwei unabhängige Feuerstellen an den offenen Kamin angeschlossen. Diejenige auf der linken Seite dient hauptsächlich der Hauskäserei. Der große Kupferkessel kann mit Hilfe eines drehbaren Galgens leicht über das Feuer geschwenkt werden. So entstanden kleinere Käselaibe. Die sonstigen Gerätschaften dieser Hauskäserei wie Melkeimer, Milchstotzen, Käsemodel, Käsepresse, Käsetuch und Stoßbutterfass sind auf der gegenüberliegenden Raumseite ausgestellt.
Auf dem gemauerten Herd befindet sich eine weitere Feuergrube, über der auf einem Dreifuß gekocht wurde. Einfache Mehl- und Milchspeisen waren die gewöhnlichen Mahlzeiten, die von der Hausfrau zubereitet wurden. Die Pfannen, sie klemmen oben am Deckenbalken, werden zum Kochen auf den geschmiedeten Dreifuß ins Feuer gestellt. Auf dem Herd ist alles angerichtet, um Kässpatzen - das Allgäuer Nationalgericht - im Spatzensieb zu kochen. U.a. sehen wir daneben auch die kugelförmige Kaffeeröste, in der aus der Zichorienwurzel die Grundsubstanz für den „Muckefuck“ gebrannt wurde. Je nach Windrichtung und Luftdruck wird die Hausfrau öfter im beißenden Qualm und mit tränenden Augen in der Küche gestanden haben. Die rußgeschwärzte Holzdecke ist hierfür der beste Beweis.
Neben dem Herd wurden im kleinen Familienkreis auf der Eckbank oder dem Küchenstuhl sitzend die Mahlzeiten eingenommen. Dabei löffelte man das Mus aus einer gemeinsamen Pfanne. Das Besteck wurde anschließend einfach abgeschleckt und in die Wandhalterung gesteckt. Zuckerhutschaber, Kaffeemühle, Pfannenhölzer und weitere Küchengeräte vervollständigen die Ausstattung.
Auf der gegenüberliegenden Küchenseite sehen wir einen besonders kunstvoll gearbeiteten "Kuchenkasten" aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, dessen Schubladen „maussicher“ schlossen. Zum Schutz vor diesen Schädlingen wurde auch das Brot auf einer sogenannten „Brothänke“ aufbewahrt, die von der Decke baumelt. Vor dem Küchenschrank stehen ein große Krautschneide und eine Presse für Kartoffel oder Obst. Links neben der Türe zur Weberei ist das einfach verzierte Tongeschirr in der "Schüsselrahm" aufbewahrt. Darunter steht auf einem Schemel ein hölzernes Schäffchen, das im Dialekt „Abmoorschaffel“ genannt wird. Denn hier wurden die Gesichter der Buben gesäubert.
Wenn Sie alle diese altertümlichen Küchengerätschaften in Natur erleben wollen, dann laden wir Sie in unser Museum in der Oststraße ein. Nicht nur dieser Raum ist Ihren Besuch wert.
 

s'Nuischte

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