Heimatmuseum Oberstdorf

Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben im Bergdorf Oberstdorf

  

 
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Unser Museumsarchiv

Die „Bauernstube“

Für das Oberstdorf Magazin im September 2014 erstellte ich folgenden Artikel über die Bauernstube:

Bei dieser typischen Oberstdorfer Bauernstube sind Decke, Boden und Wandtäfelung noch im Urzustand aus dem Jahre 1620 erhalten. Nur die Möbel und Einbauten sind etwas neueren Datums. Früher wurde im ganzen Haus nur dieser einzige Raum beheizt. Deshalb traf man sich hier am Abend mit den Nachbarn auf der langen Rundumbank zum "Huigaarde". Dort wurde erzählt, vorgelesen, ausgerichtet, musiziert und gesungen, während gleichzeitig gesponnen, genäht, gestrickt, gehechelt oder gehaspelt wurde.
Wenn man die Stube vom Gang aus betritt, fällt einem sofort der Herrgottswinkel ins Auge. Früher durfte in keinem Haus das Kruzifix fehlen. Neben dem Kreuz befinden sich zwei farbenfrohe Hinterglasbilder mit der Heiligen Anna und mit Christi Geburt. Dass der davorstehende Tisch lange im Gebrauch war, beweist die dünngescheuerte Ahornplatte. Dabei stehen zwei nach alter Manier gedrechselte Stühle. Heute wird diese idyllische Ecke gerne für stimmungsvolle Hochzeiten in kleinem Rahmen genutzt.
Rechts daneben hängt zwischen den beiden Südfenstern das Bild vom "Bachtlmändle". Der gefragte Naturheilkundige lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und besaß bei den Einheimischen mehr Vertrauen als die damaligen Ärzte. Unter dem rechten Fenster steht eine Truhe, bei uns "Drucke" genannt. In ihr wurden die Wäsche und die Aussteuer der Hausfrau aufbewahrt. Schränke kamen bei uns erst ab dem 17. Jahrhundert in Mode.
Links und rechts neben der Türe zum Schlafzimmer, das im Oberstdorfer Dialekt „Gaden“ genannt wird, sehen wir zwei, heute noch funktionierende Pendeluhren, die den früheren Bewohnern die Stunden schlugen.
Das wohl allerwichtigste Stück in diesem Zimmer ist der aus Bachsteinen gemauerte und mit Lehm verstrichene, weiß gekalkte Ofen. Für teure Kacheln hatten die armen Bergbauern selten Geld. Er wird vom Flur aus beheizt und funktioniert übrigens immer noch. Die gemütliche Ofenbank ist der wärmste Platz im Haus und umschließt den Wärmespender. An den Ofenstangen wurde nasse Kleidung getrocknet. Heute hängen u.a. lederne Geldgürtel darüber. Vor der Bank steht ein hölzener „Spiehkorb“ (Spucknapf). Er war früher mit Sägemehl gefüllt und der Hausherr konnte den Deckel mit einem Druck öffnen, um anschließend seinen Kautabak hineinzuspucken. Auf der Türseite ist eine schwarze Ofenplatte in die Wand eingelassen. Das Wappen darauf zeigt an, wem die Hausbewohner früher ihren Zehnten abliefern mussten.
Auf der gegenüber liegenden Türseite hängt ein arg ramponiertes Hirschgeweih. Es stammt vom ersten im 19. Jahrhundert bei uns erlegten Hirschen. Dieser stürzte nach dem Todesschuss eine Felswand hinab. Das Foto zwischen den Geweihgabeln zeigt Barbara Köcheler die letzte Hausbesitzerin. Sie vermachte ihr Anwesen im Jahr 1916 der Gemeinde für soziale Zwecke. Damit ebnete sie den Weg für unser Museum, das 1932 eröffnet wurde.
Da die kleine Landwirtschaft die Hausbewohner alleine nicht ernähren konnte, betrieben die Männer nebenbei ein Handwerk, das meist im Winter ausgeübt wurde. So befindet sich hier in der Ecke der Wohnstube auch eine kleine, einfache Schusterwerkstatt. Neben feineren "Sonntagsschuhen" wurden hauptsächlich grobgenähte, mit Nägeln und Griffeisen beschlagene Schuhe für die Bergbauern und Jäger des Ortes hergestellt. Die Schusterkugeln auf dem Arbeitstisch waren mit Wasser gefüllt und reflektierten das Licht der Öl- oder Talglampe, damit der Schuhmacher auch am Abend noch Näharbeiten ausführen konnte.
Vielleicht kann dieser kurze Text Sie dazu animieren, unser sehenswertes Museum zu besuchen? Bis auf Sonntag und Montag haben wir jeden Tag für Sie geöffnet!
 

s'Nuischte

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