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Texttafel am Prinzenkreuz kehrt zurück |
| Am 13.7.2003 erreichte mich folgendes Email: |
Sehr geehrter Herr Roessle,
vor etlichen Jahren wurde mir eine Eisengussplatte mit folgenden Wortlaut übergeben: "Errichtet zur Erinnerung an die glückliche Errettung Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Luitpold von Bayern und seiner Jagdgäste bei dem Bergsturze am 3. Oktober 1872".Meine Absicht war immer, diese Platte an den Ursprungsort zu bringen, da ich annehme, daß sie irgendwann dort abmontiert wurde um sie als Urlaubssouvenier mit nach Hause zu nehmen. Einiges habe ich schon unternommen, um den Ursprungsort herauszufinden, doch es ist mir nicht gelungen. Jetzt bin ich seit Kurzem Internetbesitzer (aber noch ganz in den Anfängen) und heute habe ich über dieses Medium eine neue Suchaktion gestartet und dabei bin ich auf Sie gekommen. Meine konkrete Anfrage, gehört diese Platte eventuell nach Oberstdorf?....
Für heute ganz herzliche Grüße
Ihre Gerlinde Benkwitz |
| Natürlich machte ich mich kundig und fand schnell heraus, wohin die Platte gehörte: |
Sehr geehrte Frau Benkwitz,
nachdem ich jetzt ein wenig Zeit fand habe, machte ich mich kundig. Der Bergsturz hat wirklich in Oberstdorf stattgefunden. Zu seinem Andenken ließ Prinz Luitpold von Bayern ein Kreuz errichte, das in der Mundart einfach "'s Prinzenkreuz" oder auch " 's eiserne Kreuz" genannt wird. Es steht am Ende des Oytales, kurz bevor dieses sich zur Käseralpe hochschwingt. Auf der Internetseite
http://fuehrer.oberstdorf-online.de/taeler/oytal.htm
ist ein Foto des Kreuzes zu sehen.
Im Buch "Die Allgäuer Alpen" von Max Förderreuther aus dem Jahre 1907 steht zu dem Ereignis auf S. 37 folgender Eintrag:
"Am 3. Oktober 1872 weilte Prinz Luitpold, der jetzige Regent von Bayern, mit seinen Jagdgästen im Oytal nahe dem Stuibenfall. Da ging plötzlich von den Hängen des Himmelhorns ein Felssturz nieder und schleuderte seine furchtbaren Geschosse bis zur erschreckten Jagdgesellschaft, die nur knapp dem Verderben entrann. Ein Metallkreuz ist auf einem der herabgestürzten Blöcke errichtet zum Andenken an die Errettung aus drohender Gefahr."
Wir vom Museumsverein würden uns überaus freuen, die Tafel wieder in Oberstdorfer Besitz zu bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie in unserem Heimatmueseum einen würdigen Platz finden könnte, da mir ein Aufstellen am ursprünglichen Platz aus denen von Ihnen geschilderten Gründen, zu unsicher erscheint. Schön wäre es sicher, wenn Sie eine Gelegenheit fänden, vielleicht selbst nach Oberstdorf zu kommen, um uns die Platte zu bringen. Natürlich könnten Sie uns die Platte auch zusenden, unten habe ich Ihnen die Adresse des Heimatmuseums aufgeschrieben. Natürlich werden wir Ihnen dann die Auslagen ersetzen.
Nochmals vielen Dank
Mit freundlichen Grüßen
Alex Rößle
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Die Rückkehr
Es hat lange gedauert, aber im Sommer diesen Jahres kam Frau Benkwitz nach Oberstdorf und brachte die Platte zurück (Bild links). Unser Museumspfleger Eugen Thomma nahm sie entgegen und schrieb auch gleich einen Artikel darüber (siehe unten) für das Oberstdorfer Magazin. |
Das Prinzenkreuz im Oytal
Der Chronist Franz Alois Schratt hat in seinen vielen Aufzeichnungen u.a. folgende Geschichte hinterlassen:
„Wo dem Himmelhorn gegenüber der „Rauhe Hals" (Anmerkung: siehe Bild links) als steile Schlucht mit den kühnen Höfatsgipfeln in das Oytal herab sich zieht, befand sich der bayerische Prinz Luitpold im Jahre 1868 auf der Gemsjagd, wozu auch der Förster Schwarzkopf von Oberstdorf und eine Menge Jäger und Treiber ebenfalls dort anwesend waren. Ob die vorherige Witterung oder der Fußtritt der Gemsen zur plötzlichen Überraschung die Loslösung von Felsmassen veranlaßten, konnte nicht näher ermittelt werden. Als nun eine Menge Felstrümmer und Steine talwärts rollten, war der Standpunkt des kgl. Prinzen Luitpold in so bedenklicher Gefährdung, daß der Förster sich veranlaßt sah, den Prinzen in besonderen Schutz zu nehmen, indessen zum Glück wurde niemand von den Steinen getroffen, mit Ausnahme eines Treibers, welcher verwundet wurde, aber bald wieder hergestellt werden konnte.
Die erschrockene Jagdgesellschaft entrann knapp dem Verderben, welches die furchtbaren Geschoße der Steine zu bringen drohten. Durch die gütliche Unglücksabwendung wollte aber der Prinz zu dauerndem Andenken sich dankbar zeigen durch Errichtung eines Kreuzes auf der Gutenalp, welches im Jahre 1875 den 3. Oktober auf einem abgestürzten Felsblock von 1868 gesetzt wurde mit folgender Inschrift:
,Zur Erinnerung an die glückliche Errettung Des Prinzen Luitpold und seiner Jagdgäste vor vor einem Bergsturz im Jahre 1868'
Seitdem wird dieses Kreuz, welches von Pfarrer Küberle 1875 benediziert wurde, das Prinzen-Kreuz genannt und erhielt dadurch besondere Bedeutung, indem dieser Kgl. Prinz berufen wurde, als prinzregentlicher Landesvater vom J. 1886 - 1912 die Regierung der 7 Bayernländer zu fuhren."
Soweit der Chronist in der damals üblichen „Unterthanensprache". Der letzte Absatz wurde dem vorigen Text erst nach dem Tode des Regenten im Jahre 1912 hinzugefügt.
Der Zahn der Zeit nagte in Form von Rost auch am Prinzenkreuz. Vermutlich in einem Wintersturm vor rund 25 Jahren fiel das Kreuz samt Texttafel zu Boden. Das Kreuz wurde gefunden die Texttafel - war verschwunden. Der Wortlaut des Textes war noch bekannt und der damalige Jagdherr des Oytal-Revieres ließ das renovierte Prinzenkreuz mit einer neuen Tafel aufstellen.
Im September 2005 erhielt ich den Anruf einer Dame aus Kreuth am Tegernsee. Sie hat im Sauerland (!) eine Gußeisenplatte mit dem oben angerührten Text entdeckt und mit zu ihrem Wohnsitz genommen. Auch dort war die Gedenktafel noch einige Zeit liegengeblieben. Durch ein Telefonat mit einem meiner Kollegen vom Oberstdorfer Museum erfuhr die Dame, daß diese Text-Tafel aus dem Bereich Oberstdorf stammt. Anläßlich eines Ausfluges mit Gatten nach Oberstdorf gelangte die Denkschrift hierher.
Nach einer 25-jährigen Odyssee erweitert die Gußeisen-Platte nun die Jagdabteilung unseres Museums. Sie hat neben anderen Exponaten aus dem Umkreis des Regenten einen Ehrenplatz in der Vitrine eingenommen.
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