Heimatmuseum Oberstdorf  
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Alphorn lockt Kühe und
Touristen an

Heimatmuseums-Sonderschau widmet sich urigem Thema
von Peter Schwarz im Allgäuer Anzeigeblatt vom 24.1.03
Selbst wenn das Alphorn als Markenzeichen Schweiz „zum Anlocken von Kühen und Touristen" gilt, so muss sich das Allgäu keineswegs verstecken. Die neue Jahres-Sonderschau des Heimatmuseums ist dem urigen langstieligen Musikinstrument gewidmet, das einst ein Signalwerkzeug und, Verständigungsmittel der Viehhirten war. Bei der Ausstellungseröffnung ging es dem Museumsverein auch um die Beweisführung, dass Langhörner seit Jahrhunderten in der hiesigen Berglandschaft zu Hause sind.
Den Beleg trat ein unbekannter Meister an, der 1558 die Altar-Tafelbilder der einzigartigen Rohrmoos-Kapelle malte. Dort ist ein Hirte mit einem Alphorn in der Hand zu sehen. Laut Museumsvereins-Vorsitzendem Peter Weiß (rechts im Bild) stellt dies einen „originellen Existenz-Nachweis des Alphorns fürs Oberallgäu" dar, zumal der Künstler damals Vorlagen von Dürer alpenländisch abgewandelt hatte. Dass das später vergessene Hirtenhorn nach einem Umweg über die Eidgenossenschaft erst in den 50-er Jahren wieder ins Allgäu zurückkehrte, erzählte Kreisheimatpfleger Albert Wechs (links im Bild) den Anwesenden, darunter alle drei gegenwärtigen (siehe unten) und ein Ex-Bürgermeister.
Wechs hat selbst schon mal ein Alphorn gebaut und weiß daher, was das für eine kitzlige Angelegenheit ist. Denn die gedrechselten dünnen Wandungen sind sehr zerbrechlich. Aber nur so schwingt das Holz des normalerweise 3,50 Meter langen Horns satt im Grund ton F, aber auch tiefer oder höher. Eine Hobelbank mit Spezialwerkzeugen, die sich in der
Sonderschau breit macht, gibt Kunde von der langwierigen Handarbeit der Instrumentenbauer, beim Schallbecher angefangen bis zum Mundstück.
Wie seit vielen Jahren üblich hat Musemspfleger Eugen Thomma (rechts, unterhalb im Bild) wieder die Ausstellungs-Exponate zusammengebettelt und pfiffig arrangiert. Sein Betrachtungsfeld war nicht auf originale Alphörner eingeengt. Mit Hilfe des Schwarzwälder Sammlers Franz Schussele gelang es ihm, aus Holz bestehende Musikinstrumente und Signalhörner aller fünf Erdteile auf wenigen Quadratmetern zu vereinigen. Da findet sich der Büchel neben dem Sopranzink. Und der wie eine Schlange gewundene Serpent ruht neben dem Sousaphon (Bild unten). Die Holzposaune gesellt sich zur Schalmei. Mit Christoph Petzold gibt es, in Sonthofen einen Instrumentenbauer, der aus Holz Musikalien-Gerätschaften fräst und hobelt, die sonst nur als Blechblas-Instrumente geläufig sind. Einige seiner Stücke bereichern die Schau (siehe unten).
Unter den „Exoten" anderer Kontinente trieb Thomma ein afrikanisches Elefantenzahnhorn und ein australisches Didgeridoo auf. Das tibetanische Musikrohr namens Dung Chen dient zu religiösen Riten im Tempel. Und ein jüdisches Schofar wird aus einem Widderhorn geschnitzt. Eher verschämt als „Kitschabteilung" in die hinterste Ecke verbannte der Ausstellungs-Macher Exponate, die angeblich ebenfalls der Klangerzeugung dienen: ein Ofenrohr-Alphorn und eine allerdings etwas verfremdete Kloschüssel aus dem Sanitärhandel.

Bildunterschrift (aus dem Allgäuer):
Viel kitzlige Handarbeit ist nötig, um ein Alphorn zu bauen. In der neuen Sonderschau des Heimatmuseums Oberstdorf, die dem „Alphorn und Hirtenhorn in Europa" gewidmet ist, wird dies an einer aufgebauten Werkbank deutlich. Neben dem Spezialwerkzeug sind auch Rohlinge für die Musikalien-Gerätschaft zu begutachten. Die Ausstellung bietet aber auch manche „Exoten" wie etwa eine Alphorn-Harfe oder aus Übersee eine tongebende Muschel.

Fotos auf dieser Internetseite: Alex Rößle

Die Fotos im Originaltext des Allgäuers waren von Charly Höpfl

> Offizielle Beschreibung der Sonderausstellung

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