Im Museum Hofmühle in Immenstadt findet
zur Zeit eine Sonderausstellung statt, die sich
mit dem Thema „Burgen und Ritter im Allgäu" beschäftigt.
Im Mittelpunkt stehen dabei handgefertigte Burgen-Modelle
des Oberstdorfers Otto Simbeck. 10 liebevoll
rekonstruierte Burgen aus der Region gibt es
im oberen Stockwerk der Hofmühle zu bestaunen,
die der 72jährige gelernte Holzschnitzer
und Maurer im Laufe der vergangenen 10 Jahre
angefertigt hat. Simbeck, der 18 Jahre dem Oberstdorfer
Gemeinderat und 9 Jahre dem Kreistag angehörte,
begann sich bereits in den 60er Jahren für
die Relikte aus dem mittelalterlichen Allgäu
zu interessieren, wobei er zunächst für
seine Kinder einige Modelle afs Spielutensilien
herstellte. Dann hatte er den Einfalt, die Wappen
der jeweiligen Allgäuer Burgherren und Geschlechter
nach Vorlagen originalgetreu zu schnitzen. -
diese zieren heute sein Haus hoch über Oberstdorf
als Wandschmuck. Später hatte er dann die
Idee, „nebenzu" in seiner Freizeit
die faszinierenden Überbleibsel einer längst
vergangenen Zeit als Modell wieder auferstehen
zu lassen. Somit entstanden in den letzten 10
Jahren insgesamt 13 imposante Burgen im exakten
Maßstab 1:50. In Immenstadt sind derzeit
folgende „Gemäuer" zu besichtigen:
Burgberg, Fluhenstein, Laubenbergstein, Langenegg,
Werdenstein, Rothenfels, Hugofels, Rettenberg,
Ettensberg und Rauhlaubenberg.
Immer,
wenn er Zeit, Lust und, Laune hatte, machte er sich daran,
mit seiner handwerklichen Geschicklichkeit die Begeisterung
für die Oberallgäuer Burgenlandschaft voranzutreiben.
Als Rentner steigerte sich diese Begeisterung, da er ja
zeitlich nicht mehr so eingeengt war. Vor dem eigentlichen
Modellbau stand jedes Mal die nicht immer einfache Aufgabe,
die Ruinen und bisweilen kümmerlichen Reste der ehemals
trutzigen Burgen zu vermessen. Mehrfach suchte er die einstmaligen
Wehrbauten auf, um Grundrisse und Höhen der Mauern,
Gebäude und Türme - unter zu Hilfenahme noch
existierender Pläne und Zeichnungen - möglichst
detailgenau zu rekonstruieren. Trotzdem will Simbeck mit
seinen Modellen keinen Anspruch darauf erheben, dass die
jeweilige Burg auch tatsächlich so ausgesehen hat
Nach den Vermessungsarbeiten, bei denen er des öfteren
von seiner Tochter unterstützt wurde, ging es in die
heimische Werkstatt. Auf einer Bodenplatte wurde der Grundriss
festgelegt und mit Materialien wie Zirbelholz, Hart-PVC-Fugenfüller,
Farbe und kleinen Holzlatten Mauer für Mauer, Tor
für Tor und Dach für Dach konstruiert, alles
im Maßstab 1:50. Die erste Burg, die auf diese
Weise entstand, war ihm allerdings vom Gewicht her, zu
schwer
geworden, weshalb er bei den nachfolgenden Bauten
seine Arbeitsweise verfeinerte und ausreifte,
damit die fertigen Modelle relativ leicht getragen
werden konnten. Manchmal passten die Farbnuancen
nicht, dann musste die Farbe wieder runter und
nach einer Trocknungsphase wieder neu aufgetragen
und geschliffen werden und manchmal gab's Probleme
mit den Höhendifferenzen, weshalb schon
das eine oder andere Mal eine Mauer oder ein
Gebäude wieder abgetragen wurde.
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Während des Modellbaus beschäftigte sich Simbeck auch eingehend mit
den örtlichen Gegebenheiten im Umfeld der jeweiligen Burg. Warum wurde damals
ausgerechnet an dieser Stelle der Burg Laubenbergstein ein Rundturm gebaut, warum
das Tor auf dieser und nicht auf der anderen Seite oder warum wurde das Badhaus
an die entfernteste Stelle des Hauptgebäudes gesetzt? Wie funktionierte
der Rauchabzug aus der Küche, da Kamine ja erst später zum Einsatz
kamen? Apropos Küche: Ganz nebenbei erzählt Otto Simbeck beim Ortstermin
in der Hofmühle, dass die Burg Rettenberg deshalb abgebrannt sei, weil die
völlig betrunkene Köchin eine Pfanne voll Fett über dem Feuer
vergessen hatte und dass in kürzester Zeit zunächst das in der Küche
befindliche Stroh, Reisig und Holz brannte und dann die ganze Burg. „...
so sagt man jedenfalls." Simbeck selbst findet das Modell der Burg Laubenbergstein
im Vergleich mit den anderen als gut gelungen". Dies klingt bescheiden und
ist wirklich mehr als untertrieben, auch wenn sich die Laubenbergstein natürlich
sehr imposant darstellt.
Gut, besser gesagt hervorragend gelungen sind sie alle, die ausgestellten Wehranlagen
des „Burgenbauers" Otto Simbeck. „Es würden mich schon
noch einige Burgen 'bitzeln' wie zum Beispiel Sulzberg, Wagegg oder Eisenberg
und Hohenfreiberg" schwärmt Simbeck mit leuchtenden Augen von der unglaublichen
Burgenvielfalt im Allgäu. „Wenn ich 'mal wieder Lust dazu habe, mach'
ich noch ein paar", sagt er und schlägt den Orten im Allgäu, auf
deren Gebiet eine Ruine steht, gleich noch vor, so ein Modell der jeweiligen
Burg in die Kurverwaltung oder ins Verkehrsamt zu stellen und geführte Wanderungen
zu diesen Ruinen anzubieten. Es gäbe doch sicherlich eine grosse Zahl an
Urlaubern, die so etwas zu schätzen wüssten.
Otto Simbeck läuft keineswegs Gefahr nicht zu wissen, womit er sich als
Rentner beschäftigen soll. Gerade erst ist eine Ausstellung mit von ihm
geschnitzten mannshohen Figuren wie „Wilde Männle" und „Klausen" im
Restaurant Kühberg zu Ende gegangen und auf die frage, was denn als nächstes
ansteht, sagt er: „Wenn wieder ein großer Baum kommt, fällt
mir schon 'was ein. Man muss nur überlegen, was im Baum drinsteckt und das
weghauen, was übrig ist."
Die sehenswerte Ausstellung im Museum Hofmühle in Immenstadt ist noch bis
zum 28. September jeweils Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen. |
| Bilder und Text aus dem Marktreport Oberstdorf,
S. 6, Beilage zum Allgäuer Anzeigeblatt
vom 30.8.03 |
| Eine Auswahl von Bildern seiner Burgen finden Sie hier: Burgenbilder |
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