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Heimatmuseum Oberstdorf
Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben in Alt-Oberstdorf
  
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Vor 35 Jahren kam der „größte Schuh“ der Welt ins Heimatmuseum

1976 kam der größte Schuh der Welt ins MuseumIm Jahre 1976 wurde der von Schuhmachermeister Josef Schratt gefertigte „größte Schuh“ der Welt ins Heimatmuseum gebracht. Dieses kleine Jubiläum gibt Anlass sich noch einmal der Historie dieses außergewöhnlichen Ausstellungsstückes zu widmen.
Hergestellt wurde er von Josef Schratt, geb. 26.11.1886 in Oberstdorf, gest. 27.05.1969 in Oberstdorf, dem Sohn des Schuhmachermeisters Franz Schratt. Er war  u. a. Hoflieferant für den bayerischen, sächsischen und niederländischen Königshof und wurde für seine Verdienste um das Handwerk mehrfach geehrt. Einige dieser malerischen Urkunden sind im Raum neun des Heimatmuseums  zu bewundern.
Anscheinend war Josef Schratt schon länger von der Idee begeistert, den größten Schuh zu erschaffen. Schon  1929 stellte er einen Skischuh der Größe 450 her.  Dieser wurde als Schaustück beim Festzug zur Deutschen nordischen Skimeisterschaft in Oberstdorf der staunenden Bevölkerung vorgeführt. In den folgenden Jahren wurde er in halb Europa  (?)herumgereicht und war u.a. in Wien, Budapest, Amsterdam, Den Haag, Metz, Königsberg, Danzig, Zoppot, Berlin, Leipzig, Breslau, und München zu sehen.  Mit Kriegsbeginn wurde er  in einer Scheune verstaut und als 1945 Leder knapp wurde, zerschnitten und anderweitig verwendet.
Doch Josef Schratt ließ von seiner Idee nicht los. Er nahm die erste Skiflugwoche 1950 zum Anlass, um einen noch größeren Schuh zu fertigen.
Dieses Mal ging sein Werk aber  nicht so reibungslos vonstatten. Eugen Thomma berichtete in einem Artikel: „Vor der Herstellung des ersten großen Schuhes, hat Meister Schratt Sohle und Schaft maßstabsgerecht auf dem Fußboden der „Gesellenkammer“ in seinem Hause aufgezeichnet. Tagelange Überlegungen und letztendlich Arbeit bis nach Mitternacht erforderte dieses Unterfangen. Doch, der Meister hatte die Rechnung ohne seine fleißige Hausmagd gemacht. Als er nämlich am nächsten Morgen das Produkt seiner nächtlichen Arbeit besichtigen wollte, war alles verschwunden. Mit Schrubber und Seife hatte das brave Mädchen schon frühmorgens den „total verschmierten“ Fußboden gereinigt. Josef Schratt musste die ganze Arbeit von vorne beginnen.“
Josef Schratt mit seinem Schuh vor dem SchuhgeschäftStolz konnte er dann seinen neuen Skischuh der Größe 480 im Schanzengelände der Skiflugschanze präsentieren. Natürlich war es wieder der größte Schuh der Welt.
Er besaß und besitzt heute noch folgende Maße:
Länge: 3,15 Meter
Höhe: 1,65 m
Breite: 1,20 m
Gewicht: 400 kg
Dabei verarbeitete Schratt 18 große Rinderhäute und für die zwiegenähte Sohle 40 m Bergseil. Auch dieser Schuh wurde zum viel bewunderten Ausstellungstück in mehreren Städten. So war er unter anderem in Tuttlingen, Konstanz, Goslar, Koblenz, Köln, Hamburg, Luxemburg, München und Berlin zu sehen.
1976 war es dann so weit, der Schuh sollte zum wichtigsten Ausstellungsstück unseres Heimatmuseums werden. Doch so einfach war das nicht. Über den normalen Weg durch die Eingangstüre konnte das „Mortsdrum“ nicht in den vorgesehen Raum gebracht werden. Er passte einfach nicht durch die verwinkelten Gänge unseres Museums. Kurzerhand wurde deshalb die Wand zum Raum 9 auf der Nordseite aufgebrochen und der Schuh mit Hilfe einiger kräftiger Helfer in sein zukünftiges Heim manövriert. Als dann Josef Schratt dem Museum auch noch seine außergewöhnliche Sammlung preisgekrönter Schuhe vermachte, konnte der Ausstellungsraum in seinen derzeitigen Zustand gebracht, die Ausstellung abgerundet werden.

> Weitere Informationen zum "größten Schuh"

Anmerkung: Aufmerksame Leser des Oberstdorfer Magazins werden sich vielleicht über den Artikel in der 10. Ausgabe 2011 gewundert haben. Für die dort abgedruckte Zeitungsente kann ich mich nur mit dem Satz entschuldigen: Nur wer was macht, macht Fehler! ;-)

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