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Heimatmuseum Oberstdorf
Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben in Alt-Oberstdorf
  
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Bilder des Oberstdorfer Künstlers Rudolf Scheller
kommen ins Museum

Anfang August erreichte mich, den Webmaster des Museums, ein Email aus Rheinland-Pfalz. Ein Oberstdorf Gast erklärte mir darin, dass er im Besitz zweier Scheller Bilder sei und diese dem Museum als Dauerleihgabe überlassen wolle. „Scheller?“, dachte ich Kunstbanause mir, „da war doch was? Klar, im Museum haben wir Bilder von ihm ausgestellt!“ Ich gab das Angebot deshalb sofort an unseren 1. Vorsitzenden Albert Vogler und an unseren Kunstfachmann und Museumspfleger Karl Schädler weiter. Da der Gast, der ungenannt bleiben will, schon am  Wochenende für einen Kurzbesuch nach Oberstdorf kommen wollte, wurde auch gleich telefonisch ein Treffen arrangiert. Zu diesem Treffen kam der Kunstmäzen dann gleich mit 4 Bildern. Er hatte sie von seinem Vater geerbt, dieser wiederum erwarb sie noch vor dem Krieg bei Rudolf Scheller persönlich. Für unser Museum war es eine große Freude, an diese Bilder zu gelangen und wir werden sicher einige davon künftig in unserer Ausstellung der Öffentlichkeit vorstellen.
Natürlich geziemt es sich dann auch, den Künstler auf unserer Homepage zu würdigen. Im Museum befindet sich ein Foto und ein kurzer Text über seine wichtigsten Lebensdaten:
„geb. 1889 in Heretsried bei Augsburg
gest. 1984 in Oberstdorf
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Neuburg kam er 1906 nach Oberstdorf. Sein Vater Scheller Andreas wurde hierher als Lehrer versetzt. 1913 und 1914 studierte er an der Akademie in Paris, 1919 an der Münchner Akademie. In den zwanziger Jahren war er auf Ausstellungen im Glaspalast (München)  und im Haus der Kunst vertreten.
Der Oberstdorfer Maler Wilhelm Berktold wurde von ihm ausgebildet. Bekannt wurde Rudolf Scheller durch seine Holzschnitte und Radierungen und durch seine Bilder und Grafiken. Hier stellte er die Allgäuer Landschaft und ihre Menschen dar.“
Natürlich wäre es schön, mehr über diesen in Vergessenheit geratenen Oberstdorfer Künstler zu erfahren. Leider gab das Internet nicht viel dazu her. Außer seinen bloßen Lebensdaten fand sich nur ein Vermerk, dass Bilder von ihm in der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ zu finden waren.
Gut, dass Gunther Le Maire ihn in seiner Reihe „Kunstgeschichte(n)“ vorgestellt hatte. So blieb mir eine eigene Recherche erspart, denn Zeitzeugen leben noch, sein Großneffe sogar noch in Oberstdorf.
Als Scheller nach Oberstdorf kam, wurde er vom Maler Edmund Steppes geprägt (siehe Wikipedia). Dieser war ein erklärter Gegner der Expressionisten und propagierte die „neue Sachlichkeit“. Schade, denn bei seiner Begabung hätte ich Schellers Bilder ohne Steppes Einfluss vielleicht später im New Yorker Museum of Modern Art bestaunen können. Dort waren die Deutschen Expressionisten dieses Frühjahr fast ausnahmslos in einer sehenswerten und viel besuchten Ausstellung zu bewundern. So kam der junge Künstler leider in ein Fahrwasser, das ihn zwar einerseits zum perfekten Künstler werden ließ, ihn jedoch andererseits gefährlich nahe an den „faschistischen Realismus“ des dritten Reiches heranführte. So ist es bezeichnend für seinen damaligen Erfolg, dass Adolf Hitler 1937 selbst ein Bild von ihm ankaufen ließ. Scheller war damit zum damals bekanntesten Allgäuer Künstler geworden. Seinen Ruhm hatte das langjährige Parteimitglied der NSDAP (1920 - 1945) seinen Nazis zu verdanken, für die er sogar zeitweise auch als Oberstdorfer Ortgruppenleiter (1931-1932) fungierte. Dass sich da das Blatt nach dem Krieg wendete, war damit klar. Wie sein Lehrer Edmund Steppes verschwand er in der Versenkung, seine Bilder wurden unverkäuflich. Einen Teil seiner Bilder soll er in späteren Jahren sogar selbst vernichtet haben. Am 12. Juli 1984 verstarb Scheller in Oberstdorf.

Für unser Museum sind seine Bilder jedoch trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb zu einem begehrenswerten Ausstellungsstück geworden. Seine bäuerlichen Szenen und seine Charakterköpfe von realen Menschen aus unserem Gebiet, sind für uns unersetzlich. Einen genaueren und schärferen Einblick in die Lebenswelt des 20. Jahrhunderts kann uns kein Foto vermitteln.

Anmerkung:
Im Oktober 2011 erhielten wir vom gleichen Mäzen außerdem noch das rechts abgebildete großformatige Gemälde als Dauerleihgabe für unser Museum.

Literatur:
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Steppes
Museum od Modern Art (New York): http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/1103
Geschichte des Marktes Oberstdorf, Band 5, Oberstdorf 1918 - 1952, Angelika Patel, S. 147-179
"In die Mühlen der Politik geraten" von Gunther le Maire im Allgäuer Anzeigeblatt am 17.11.07,
"Von der typischen Handschrift Rudolf Schellers" von Gunther le Maire im Allgäuer Anzeigeblatt am 6.12.07,

Portrait

Holzschnitt

Gr0ßformatiges Bild

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