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Heimatmuseum Oberstdorf
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Im Allgäuer Anzeigblatt stand am 16.5.09 folgender Artikel von Klaus Schmidt über die beiden Ausstellungen:
Ein fast vergessener Romantiker

Kunst Zwei Ausstellungen erinnern an Oberstdorfer Maler Joseph Anton Fischer (1814 - 1859)
Gesegnet mit großem Talent machte er eine erstaunliche Karriere

VON KLAUS SCHMIDT
Oberstdorf Sind es Neugier oder Verachtung, Stolz oder Verwunderung, die aus diesen Augen sprechen? Kirschengroß leuchten sie im runden Gesicht des Knaben unter dunkler Lockenpracht. Italienisch lautet die Herkunft des Kindes, dessen Bild ein Ölgemälde schmückt. Ins „Land, wo die Zitronen blühen" lockte es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Künstler. Einer von ihnen, der Maler Joseph Anton Fischer, stammt aus Oberstdorf, sollte erstaunliche Karriere machen, und wurde doch von vielen vergessen.
Anlässlich seines 150. Todestages erinnern in seinem Heimatort jetzt zwei Ausstellungen an ihn. Eine im Heimatmuseum, die Leben und Arbeitsgebiete des bedeutenden Künstlers beleuchtet, und eine im Kunsthaus Villa Jauss, die sich auf einige Hauptwerke konzentriert.

Mit 18 Jahren in Italien

Schon die außerordentlich detaillierte und plastische Zeichnung des Sechzehnjährigen von den gotischen Skulpturen der Heiligen Katharina und des Heiligen Martin aus der alten Oberstdorfer Pfarrkirche vermittelt im Heimatmuseum einen Eindruck von dem ungewöhnlichen Talent des Joseph Anton Fischer (1814 - 1859). Es führte ihn mit 17 Jahren an die Kunstakademie München und ein Jahr später bereits nach Oberitalien. Dort durfte er für ein Projekt im Auftrag des Kronprinzen Maximilian von Bayern Kunstwerke der Renaissance kopieren.
Später, Ende Zwanzig, bereist er wieder Italien. Wieder studiert er Kunstwerke, hält aber auch Landschaften und Alltagsszenen fest. Seine Skizzenbücher, deren einzelne Blätter in einer Diaschau zu sehen sind, bilden das Herzstück der Präsentation im Heimatmuseum.
Um sie gruppieren sich Ölgemälde italienischer Paare, Tierbilder wie ein verblüffend realistisch ausgeführtes Dromedar, aber vor allem religiöse Werke. Die meisten sind Leihgaben aus Privatbesitz oder stammen aus Museen in Immenstadt und Weiler. Denn der Großteil des Nachlasses von Fischer, für ein Museum nach Oberstdorf verbracht, wurde beim großen Brand 1865 vernichtet. Das Oberstdorfer Heimatmuseum besitzt allerdings noch einen reichen Fundus an Skizzen und Studien, die jetzt durch den Kunsterzieher Wilhelm Geierstanger einigen Hauptwerken Fischers zugeordnet wurden. Und diesen Hauptwerken, Glasfenstern für die Maria-Hilf-Kirche in München-Au und den Kölner Dom, entstanden im Auftrag König Ludwig I. von Bayern, widmet sich die Ausstellung im Kunsthaus Villa Jauss.

Eine Himmelfahrt für Odessa

Erstaunlich ist hierbei, dass die Studien und Vorlagezeichnungen um vieles qualitätvoller wirken, als die später von Glasmalern ausgeführten Fenster, die hier nur fragmentarisch in kleinformatigen Transparenten zu sehen sind. Denn die Anatomie­ oder Gewand-Studien verdeutlichen nicht nur Fischers akribische Erarbeitung einzelner Figuren, sondern überraschen durch ihren außergewöhnlichen Realismus,
Natürlich folgt Fischer, der sich von alten italienischen, flämischen und deutschen Meistern inspirieren ließ, bei diesen Heiligenbildern dem Stil der damals herrschenden Schule der Nazarener, tendiert aber über deren Idealismus hinaus zu einer eher an der Wirklichkeit orientierten Darstellung. Im Erdgeschoss der Villa Jauss erinnert dann eine „Maria Himmelfahrt" an Fischers Malerkarriere. Das Ölbild ist die verkleinerte Kopie eines rund sechs Meter hohen Altarbildes für Odessa.
Viele von Fischers Arbeiten sind heute verschollen oder zerstört, wie etwa während des Zweiten Weltkriegs die Fenster der Münchner Maria-Hilf-Kirche. Doch im Kölner Dom erinnern noch heute die sogenannten Bayernfenster an einen weitgehend unbekannten Maler der Romantik aus Oberstdorf.


Bildnis eines italienischen Knaben: Das unvollendete Ölgemälde
zählt im Heimatmuseum Oberstdorf zu den ausdrucksstarken Zeugnissen von Fischers Kunst.

Porttrait von Johann Baptist Schraudolph
Joseph Anton Fischer, 18-jährig, gezeichnet von Johann Baptist Schraudolph.

Heimatmuseum Oberstdorf - Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart begreifen.