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Heimatmuseum Oberstdorf
Geschichte, Brauchtum, Handwerk, Kunst, Sport und Leben in Alt-Oberstdorf
  
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Eugen Thomma (links) gilt in Oberstdorf als „Koryphäe der Heimatgeschichte" und als „wandelndes Lexikon". Jetzt durfte der Museumspfleger und frühere Leiter des Rathaus-Ordnungsamts seinen 70. Geburtstag feiern. Zu den Gratulanten gehörte auch Bürgermeister-Vize Toni Huber.

Foto: Armin Friedrich

Aus dem Allgäuer Anzeigeblatt vom 26.7.2001

„Wandelndes Lexikon" der Heimatgeschichte

Viele Gratulanten bei Eugen Thommas 70. Geburtstag

Oberstdorf (pts).
„Wandelndes Lexikon" und „Koryphäe für Heimatgeschichte" wird er genannt: Eugen Thomma. Zu seinem 70. Geburtstag konnte er sich kaum retten vor Glückwünschen. Ständig bimmelte das Telefon; fortwährend schellte es an der Wohnungstür. Unter den Gratulanten, die sich die Klinke in die Hand gaben, Bürgermeister-Vize Toni Huber und die Spitze des Museumsvereins. Ihre Aufwartung ist begründet: 22 Jahre leitete Thomma im Rathaus das Amt für öffentliche Ordnung. Mindestens genauso viel Ordnung schuf er in 27 Jahren im Heimatmuseum als Museumspfleger und in der zuweilen turbulenten Ortsgeschichte als Chronist.
Die stattliche Erscheinung mit dem grauen Vollbart wirkt eigentlich selbst schon wie ein Stück lebendiger Oberstdorfer Geschichte. Dabei stammt Eugen Thomma aus Blaichach, kam aber schon 1938 als Kind hierher. Die Historie des einstigen armen Bergbauerndorfs und jetzigen Tourismus-Magneten ließ ihn bereits in der Schule nicht los, als ihm eine Lehrerin die Neugier über die Ahnen unterm Nebelhorn eingeimpft hatte. So erzählt er es den Gratulanten eher beiläufig, weil er sich abmüht, Ordnung in den Taubenschlag der Besucherschar zu bringen.
Ob Sonderausstellungen im Museum oder das Auftreiben von historischem Gut, ob bei vielen geschichtlichen Vorträgen (aus dem Stegreif und ohne Manuskript) oder als Sammler mehrerer tausend Dias und Bilder vom früheren Oberstdorf': Thomma nimmt sich für alles Zeit. Und nebenher entstaubt er noch als 70-Jähriger Teilzeit-Jobber im Oberstübchen des Postgebäudes das Archiv der Gemeinde. Erst vor kurzem hat er als Ko-Autor und Echt-heits-Wächter des wiederbelebten Bühnenstücks „Gearschtrubar Huimat" mit zum großen Erfolg der Aufführung beigetragen. Und natürlich gehört Thomma auch zu den Verfassern des vierbändigen Werks „Geschichte des Marktes Oberstdorf".
Ein Studium konnte Thomma, der als Hirtenbub bis auf der Taufersberg-Alpe hinaufstieg und später Zimmermann werden wollte, nicht aufnehmen. Obwohl total neugierig von Natur aus und lesehungrig sowie mit einem - wie sich noch heute zeigt - phänomenalen Gedächtnis ausgestattet, langte das Geld der Eltern nicht für den Besuch einer höheren Schule. Alles trieb Thomma, um nicht arbeitslos zu werden, bis er schließlich als Beamter bei der Polizei landete, wo er unter anderem Einbrecher jagte. Vom Revier wechselte er ins Rathaus und sorgte in seinem Ressort für Ruhe. Welcher Beschwerdeführer wurde da nicht sofort kleinlaut, wenn sich Thommas Statur zu voller Größe entfaltete?
Heiligabend im Heimatmuseum
Museums-Vorsitzender Peter Weiß hat so manches Anekdötchen über seinen Weggefährr ten auf Lager. Selbst am Heiligabend gelang es nur mühsam, Thomma aus dem Heimathaus nach Hause unter den Christbaum zu locken. Wilhelm Math, der einst das Museum aufgebaut hatte, war Thommas Lehrmeister. Manchmal, so erzählt der 70-jährige „Unruheständler" seinen Gästen, würde er am liebsten das Rad der Geschichte um 100 Jahre zurückdrehen, um Fehler, die damals gemacht wurden, auszumerzen. Trotz aller Vergangenheits-Er-forschung ist der Träger der Verdienstmedaille des Marktes nicht rückwärtsgewandt im Denken. Die zwei Töchter und der Sohn benötigten daher auch nicht allzuviel Überredungskunst, um ihn zu einem Computerkurs zu schleppen. Denn so ein PC ist ja durchaus ein nützliches Instrument, um Ordnung ins eigene „Saustall-System" der Heimatkunde zu bringen, sagt sich der Ex-Ordnungsamts-Mann.

Text: Peter Schwarz

 
- Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart begreifen -