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Heimatmuseum Oberstdorf
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Aus dem Allgäuer Anzeigeblatt vom 13.11.2001

Verheiratet mit Vereinen und seiner Frau Zita
Goldene Hochzeit beim Oberstdorfer "Trachtenpapst" Anton Köcheler

Oberstdorf (pts). Verheiratet ist Anton Köcheler, so scheint's, ausschließlich mit den Oberstdorfer Vereinen und Institutionen, und zwar mit fast allen. Auf wie vielen Hochzeiten er schon sinnbildlich getanzt hat, vermag nicht einmal eine vor geraumer Zeit erstellte Auflistung der Marktgemeinde zur Ehrung ihres Bürgermedaillen-Trägers genau zu erfassen. Aber richtig verheiratet ist Köcheler nur mit seiner Ehefrau Zita - und das nun schon seit einem halben Jahrhundert. Zur "goldenen Hochzeit" des Paares wartete neben Bürgermeister-Vize Toni Huber auch eine Abordnung des Museumsvereins mit gewichtigten Präsentkörben auf.

Was der Gold-Bräutigam nicht alles für Etiketten mit sich rumschleppt! Der "Trachtenpapst" des Allgäus wird er tituliert, weil er mehr als 30 Jahre den Erhalt der eigenständigen Gebirgstracht in einer extra von ihm gegründeten Interessengemeinschaft gegen alle schwäbischen Gleichmacher-Gelüste kämpferisch verteidigt hat. Dialektforscher darf sich der ehrenamtliche Tausendsassa nennen. Und als Buchautor über die "Wilden Mändle" und andere bodenständige Themen glänzt er natürlich auch.
Zwölf Jahre stritt der jetzige Goldhochzeiter im Gemeinderat für die Bergheimat. Bald 60 Jahre löscht Köcheler bei der hiesigen Feuerwehr mit und, und, und...
Dass man sich daheim manchmal "nur zwischen Tür und Angel" traf, weil am Sonntagmorgen das Mannsbild ja auch noch zum Schafkopfen ins Stammlokal selbst an runden Geburtstagen losstürmte, nimmt heute Ehefrau Zita mit einem abgeklärten Augenzwinkern hin. Immerhin blieb noch Zeit, sieben Kinder auf die Welt zu bringen und das Großwerden von zehn Enkeln und einem Urenkel zu beobachten.

Goldene Hochzeit bei Anton und Zita Köcheler in Oberstdorf: Zum Gratulieren kam Bürgermeister-Vize Toni Huber (rechts) vorbei.

Foto: Peter Schwarz

Ein Vielbeschäftigter
Auf einen Vielbeschäftigten stieß das aus Südtirol stammende, aber bereits in Oberstdorf aufgewachsene "Föhla" bereits bei der ersten Begegnung. Und zwar, als Zita zusammen mit anderen Mädchen an einem Nachkriegs-Dezemberabend kreischend Reißaus vor den wilden Rumpelklausen nahm. Einer der Vermummten flüsterte ihr heimlich zu: "I dua dr nix!" Der Grundstein der Ehe mit Köcheler war gelegt.
Am nächsten Tag, als er seinen Militärmantel zu einem Trachteng'wand umändern lassen wollte, verhaftete den jungen Oberstdorfer gleich der im Wiederaufbau begriffene Trachtenverein. Der eifrige Eishockeyspieler wurde auf Anhieb Zeugwart und bald auch Museums-Assistent. Und danach ergab ein Posten den anderen, sodass der Bundesverdienstorden die logische Folge von "1084 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit" bedeutete. So hat seinerzeit die Gemeinde Köchelers parallel zueinander laufendes Tun akribisch addiert.

Text: Peter Schwarz

 
- Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart begreifen -